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Einfamilienhaus aus Infraleichtbeton -
also massiv ohne Dämmebene

Haus aus Infraleichtbeton© HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Auf den ersten Blick ein modernes Wohnhaus, auf den zweiten ein spannendes Material:

Das Einfamilienhaus f2 wurde aus Infraleichtbeton ohne zusätzliche Dämmebene errichtet. Die 50 cm dicken Außenwände im Erdgeschoss erinnern an eine Holzverschalung, von innen erscheint der Infraleichtbeton trotz seiner an sich porösen Gesteinskörnungen in samtiger Sichtbetonqualität – durch die Beimengung von Blähton und Blähglas. Besondere Herausstellungsmerkmale des Projekts sind auch die hochwärmedämmenden Eigenschaften des Betons sowie die noch geringere Rohdichte als gewöhnlicher Leichtbeton.
Weitere Informationen zum Hochleistungsbeton sowie Testprojekten gibt es auf der Seite der TU Berlin

Bauwerke - auch Wohnhäuser - aus Leichtbeton rücken immer mehr in den Fokus und erhalten Auszeichnungen, wie unlängst ein Wohnhaus im Schwäbischen oder ein Konzertsaal im Bayrischen Wald beim Architekturpreis Beton.

Zur Erinnerung:

Leichtbetonen werden poröse Gesteinskörnungen wie Bimsstein, Bläh­schiefer, Blähton oder der Recyclingstoff Blähglas beigemischt, was eine vergleichsweise geringe Trockenrohdichte bei guten Wärmedämmeigenschaften mit sich bringt. Bei Leichtbeton im Wohnungsbau denkt man gerne an haufwerksporige Mauersteine und nicht an dichte Oberflächen in Sichtbetonqualität. Doch Infraleichtbeton bietet trotz einer geringen Wärmeleitfähigkeit (λ) von unter 0,19 W/mK durchaus die optische Qualität von massivem Sichtbeton.

Das Architekturbüro Fiedler + Partner in Freising hat nun ein Wohnhaus aus Infraleichtbeton ohne zusätzliche Dämmebene, mit einem aufgesetzten Ziegelbau realisiert. Mit dem Projekt f2 gelang es, eine stimmige Architektur für diesen Ort umzusetzen. Reinhard Fiedler konzipierte das zweigeschossige Einfamilienhaus als Bauherr und Planer in Personalunion auf einem Grundstück am Ortsrand, flankiert von einem steilen Hang und mit freiem Blick in ein unverbaubares Naturschutzgebiet.

Eine Wand – ein Material

50 cm dicke Außenwände aus Infraleichtbeton definieren das Erdgeschoss. Ihre Materialität zeichnet sich nicht nur an der Fassade ab, sondern prägt auch den Raumeindruck im Inneren. Während sich außen der Abdruck einer individuell gefertigten Holzschalung zeigt, die durch leicht versetzt angeordnete Bretter alternierend vor- und zurückspringt, entschied sich der Architekt innen für eine glatte Schalung, bei der sich gleichwohl die charakteristische Lebendigkeit des Betons abzeichnet. Bei Berührung wirken die Wände samtig rau und gleichzeitig warm. Von außen lassen unterschiedliche Fensterformate die innere Nutzung ablesen, große Verglasungen mit Eichenholzrahmen deuten auf die Wohnräume, ein schmales, liegendes Fensterband lässt den Küchenbereich erahnen.

Reinhard Fiedler hatte unverkennbar Lust an einer dezidierten Detailplanung, die auch integrierte Jalousiekästen einbezog - zumal sich bei einem Sichtbetonbau, etwa beim Einbau von Fenstern in die Laibungen, nichts mehr nachträglich kaschieren lässt. „Da muss alles auf Anhieb passen.“

Wie bei jedem Sichtbetonbau erfordern auch Projekte mit Infraleichtbeton engagierte und erfahrene Baubeteiligte, die sich der nötigen Sorgfalt bei der Ausführung bewusst sind - wie z.B. der Bauunternehmen Adldinger aus Kranzberg, der auf eine gutachterlich geprüfte Rezeptur zurückgreifen konnte, die Heidelberger Beton in mehreren Versuchen unter Mitwirkung von Experten der Universität der Bundeswehr München (UniBW) bereits entwickelt hatte.

Infraleichtbeton für Haus f2

Mit einer Rohdichte von 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit größer 8 N/mm² verfügt dieser hochwärmedämmende Infraleichtbeton über eine geringere Rohdichte als üblicher Leichtbeton. Das Verdichtungsmaß bei dieser Rezeptur entspricht der Klasse C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit  (λ) von weniger als 0,185 W/mK zu erzielen, wurden dem Beton ein Blähglasgemisch (Liaver) und Blähton (Liapor) beigemischt. Nötig war außerdem noch ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen von SIKA sowie ein spezielles Zement- und Bindemittelgemisch. Damit war die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 cm starken Wänden abgestimmt.

Zustimmung im Einzelfall

Für Bauten aus Leichtbeton mit Rohdichten unter 800 kg/m³ und/oder einer Druckfestigkeitsklasse kleiner LC12/13 muss derzeit noch eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) eingeholt werden. Das hält viele nicht davon ab, sich diesem Baustoff mit Begeisterung zu widmen, wie die steigende Anzahl bemerkenswerter, teils preisgekrönter Bauten zeigt.

Bautafel

 

Alle Fotos: © HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs 


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