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Kunstmuseum in Los Angeles:
Fassade mit glasfaserverstärktem Beton

Kunstmuseum BetonfassadeBild © Ivan Baan, Amsterdam


Kunstmuseum The Broad in Los Angeles:
Weiße Wabenstruktur aus glasfaserverstärkten Betonelementen

Gegenüber dem Museum für zeitgenössische Kunst von Arata Isozaki aus den 1980er Jahren und den wogenden Stahlsegeln der Walt Disney Concert Hall von Frank O. Gehry, behauptet sich seit 2015 ein weiterer Kulturbau in Downtown L.A. Dabei ist The Broad von außen, trotz seiner weißen Hülle mit schräg verlaufendem Wabenmuster, wesentlich zurückhaltender in der Kubatur und weniger expressiv als die Konzerthalle. Den Entwurf für das Kunstmuseum lieferten Diller Scofidio + Renfro, die 2010 aus einem eingeladenen Wettbewerb als Sieger hervorgegangen waren. Rund 2.000 Werke des Bauherren- und Sammlerpaares Edythe und Eli Broad werden hier deponiert, verwaltet und der Öffentlichkeit kostenlos präsentiert.

Das Gebäude vereint oberirdisch zwei gegensätzliche Aufgaben unter einem Dach: Das Lagern und das Präsentieren von Kunst. Außerdem wünschten sich die Stadtplaner, dass es seine Adresse, die Grand Avenue als Boulevard und kulturelle Achse, die leider kaum Fußgänger kennt, stärkt und belebt. Mit seinem Programm und als architektonische Attraktion leistet es dies wohl, mit seinen drei Tiefgaragengeschossen unterstreicht es aber weiterhin, wie man sich in der Stadt bevorzugt fortbewegt. Oberirdisch sichtbar ist das wesentliche Raumprogramm, das Lagern und Zeigen der Kunstsammlung, für das die Architekten eine einfache und klare Formel gefunden haben: T he veil and the vault, der übergeworfene Schleier, der die Erscheinung prägt und mit seiner Transparenz dem Ausstellen dient und die Höhle, in der die Kunst deponiert ist.

Kunstmuseum The BroadBild © Ivan Baan, Amsterdam


Die überaus geräumige dreigeschossige Museumskiste mit einer Grundfläche von rund 63 x 63 Metern beinhaltet in ihrer Mitte einen geschlossenen, massiven Körper (the vault), der das Depot mit Archiven, Werkstatt und Büros aufnimmt. Im Erdgeschoss kommt er schwer auf den Boden mit weiteren Archivflächen und einem großen Ausstellungsbereich. Platz bleibt hier auch noch für die zur Grand Avenue verglaste Lobby, über der the vault 14 Meter weit auskragt. Die schwere Masse des Lagers ist nicht versteckt und ins Untergeschoss verdrängt worden, sondern bildet eine zentrale Figur, um die niemand herum kommt. Aus der Lobby heraus muss der Besucher durch die organisch geformte und mit Stucco Lustro geglättete Höhlenetage mit Treppe, Rolltreppe oder zylindrischem Aufzug hindurch stoßen, um oberhalb davon, auf deren Decke, zur großen stützenfreien Hauptausstellungsebene zu gelangen. Diese lichte, quadratische 3.600 Quadratmeter große Fläche mit sieben Metern Raumhöhe wird von oben und der Seite von dem großmaschigen Betonschleier umschlossen. Durch seine wabenähnlichen Öffnungen fällt hier gefiltert und blendfrei Tageslicht ein.

Die Fassade

Die Hülle wird aus einer Stahlkonstruktion gebildet, auf die 2.500 glasfaserverstärkte Betonelemente in Rhombenform montiert sind. Insgesamt 380 verschiedene Gussformen wurden dafür hergestellt die das Bild eines riesigen in Beton gegossenen Streckmetalls ergeben. Allein ein Drittel der Gussformen war für die Modellierung der Einstülpung auf der Mitte der Fassade an der Grand Avenue nötig. An dieser Stelle drückt sich the veil in the vault hinein – was auf der großen Fassadenfläche nach kaum mehr als einer Deformation durch einen Steinwurf aussieht, im dahinter liegenden Konferenzsaal allerdings hochdramatisch wirkt (siehe Bild 12). Jedes Betonelement ist von einer organisch geformten Öffnung durchstoßen. Oben schließt die gezackte Hülle geradlinig ab, unten kommt sie nicht komplett, sondern nur an drei Punkten auf den Boden, nämlich an der 2nd Street und gegenüber an der von alten Olivenbäumen bestandenen Plaza sowie an der Grand Avenue. Hier beim Haupteingang ist der Stahlträger beweglich und drehbar gelagert, sodass sich die gesamte, in sich starre Betonstruktur im Falle eines Erdbebens in einer Achse vor und zurück bewegen kann.

Kunsmuseum in Los AngelesBild © Ivan Baan, Amsterdam


Die unteren Ecken der Hülle sind weit noch oben gezogen und lassen die Besucher in die Lobby ein. Hier unten und im 2. Obergeschoss sorgen großflächige raumhohe Verglasungen dafür, dass durch die Wabenstruktur hindurch Tageslicht in die Innenräume gelangt. Im dichten und kleinteiligen 1. Obergeschoss sind es einzelne Räume, die verglast sind. In dem Distanzraum zwischen Verglasung und Betonhülle ist die Reinigungsanlage für die Glasflächen untergebracht und durch den Abstand und die leicht unterschiedlich geformten, weitestgehend nach Norden ausgerichteten Öffnungen in den Waben, kommt es im Gebäudeinneren zu wechselnden Licht- und Schattenspielen.

Kontrollier- und steuerbar und auf eine maximale Flexibilität der Präsentation ausgelegt sind die insgesamt 318 nach Norden gerichteten Oberlichter der Hauptausstellungsfläche, die in das etwa drei Meter hohe Deckenraster aus Stahlrahmen eingebracht sind. Jedes Element ist mit einem motorisierten Verdunklungsschirm ausgestattet, mit dem das natürliche Licht in verschiedenen Voreinstellungen kalibrieren werden kann. Zusätzlich sind die Oberlicht- und die Vertikalverglasungen mit UV-Filtern ausgerüstet.

Bautafel

Architekten: Diller Scofidio + Renfro, New York
Planungsbeteiligte: Gensler Architects, San Francisco (Ausführungsplanung); Matt Construction, Santa Fe Springs (Baukonstruktion); Nabih Youssef, Los Angeles und Leslie E. Robertson, New York (Statiker); KPFF Consulting, Los Angeles (Bauingenieur); Arup, Los Angeles/London (Gebäude- und Elektrotechnik, Brandschutz sowie Lichtplanung)
Bauherr: Eli und Edythe Broad
Fertigstellung: 
2015
Standort: 
221 South Grand Avenue, Los Angeles, Californien 90012, U.S.A.
Bildnachweis: Iwan Baan, Amsterdam

Originalartikel © www.baunetzwissen.de


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